Leute, es ist sooooo lustig wenn Argentinier versuchen sich der Deutschen Sprache zu ermächtigen. War letzten Freitag mit ner deutschen Freundin von mir und zwei Argentiniern in Palermo (Ein Szenestadtteil von Bs As) unterwegs. Die haben irgendwo mal den Geburtstagsschlager „Zum Geburtstag viel Glück“ gehört und ihre eigene Version daraus gemacht. Diese lautet dann „Gutin Argen vieeeel Gluck“. Sry kann man sich echt nicht vorstellen, aber das ist sooooo derbe lustig. „Gutin Argen“ wurde dann einfach zum Universalbegriff für alles, was eben „Gutin Argen“ ist gemacht. Eigentlich ist sowieso alles „Argen“… Naja, ziemlich verrückt das ganze, sowieso ziemlich verrückter Abend gewesen, wie eigentlich die gesamten zwei Wochen. Ich glaube ich war noch nie in meinem Leben so viel unterwegs, wie in dieser Zeit.
Seit ich aus Bariloche zurück bin hat sich sowieso eine ganze Menge in meinem Leben verändert, eigentlich ausschließlich zum Positiven! Es kann es selbst kaum glauben, dass mein ohnehin schon geniales Leben nochmal einen extra kick bekommen hat!
Fangen wir erstmal an mit meiner Unterkunft. Das Teil ist mittlerweile voll und ca. 10 Leute wohnen hier. Fabiola und Iván aus Ecuador, Adriana aus Kolumbien, ein Typ aus Mexico der glaube ich Alex heißt, aber selten redet, Carolina aus Peru, Nicolas (nicht ich) aus Argentinien, Monique aus Holland und dann noch Luka und Philip aus Deutschland und meine Wenigkeit. Angeblich soll bald noch ein Mädchen aus Bolivien dazukommen, also Full House! Eigentlich ist jede einzelne dieser Personen einen eigenen Bericht wert, aber lassen wir das. Trotzdem habe ich viele von ihnen schon in kürzester Zeit ins Herz geschlossen. Es macht einfach unglaublich Spaß hier zu wohnen.
Ansonsten habe ich zum Glück jemanden gefunden der mit mir die guten Electroclubs der Stadt auscheckt, eine Medizinstudentin aus Marburg, die für ein paar Wochen hier ist und ein Praktikum macht. Mit ihr war ich auch letzten Freitag unterwegs. Die Standartdiscos in Argentinien sind der absolute Horror. Erstmal sind sie grundsätzlich chronisch überfüllt. Die Musik setzt sich zusammen aus Reaggeaton, Rumbia und 90ies Trash. Reaggeaton kennt man in Deutschland vor allem durch Daddy Yankee. Ich habe jetzt keinen Hass auf die Musik und kann sie auch gerne mal3-4 Lieder hören, aber irgendwann geht einem einfach diese unglaubliche Primitivität auf den Sack. Eigentlich haben alle Lieder den gleichen Beat und den gleichen Text. Ein typischer Text könnte zum Beispiel so gehen: „Ups, wir sind jetzt hier zusammen in diesem abgeschlossenen Raum, den Schlüssel haben wir leider verloren, dein Mann liegt sowieso besoffen im Graben, also müssen wir jetzt….“ Naja, wird auf jeden Fall von der lokalen Jugend sehr gefeiert ;-) Rumbia ist musikalisch einfach der letzte Dreck. Immer so ein langsamer, stupider sich wiederholdender Rhythmus und ebenfalls dumme Texte, wenn auch etwas jugendfreier. Das Publikum in diesen Clubs ist auch zu geil. Die Typen sind allesamt diese typischen Lateinamerikamachos und die Mädels… ja das ist so eine Sache für sich. Ich will nicht bestreiten, dass viele wirklich verdammt gut aussehen, aber ich habe selten so einen arroganten und stupiden Tussihaufen erlebt, wie in den hiesigen Clubs. Aufgetakelt ohne Ende streifen die Frauen durch den Club und warten darauf angemacht zu werden, je stumpfer desto besser hehe… Wenn man genau hinschaut sieht man bei den Frauen auch oft, dass Brüste, Nasen, etc. nicht echt sind. Schönheitsop’s sind hier rieeeeesig! Genau wie Psychotherapie… Das ist ein riesiger Trend hier drüben. Wer nicht in Therapie ist, ist halt out.
Aber zum Glück geht es auch anders. Direkt an dem Samstag als ich aus Bariloche wiederkam, war ich spät Nachts in einem Club namens „The Big One“, mit richtig saftiger elektronischer Musik, guter Bass, gute Samples und ein Publikum, das sich deutlich vom Rest der Gesellschaft unterscheidet. Alle ziemlich verrückt, viele mit Sonnenbrillen und schrägen Outfits, vor allem sehr viel individualistischer. Ich will auch nicht verneinen, dass ich selten in einem Club war, in dem so viele Drogen konsumiert wurden. Finde das zwar ein bisschen traurig, aber die Party war auf alle Fälle riesig. Ging bis in den frühen morgen.
Eigentlich sollte Montag ja schon meine Uni anfangen, aber ich bekam irgendwann tagsüber ne Mail, dass meine meisten Kurse erst in der darauffolgenden Woche beginnen, auch nicht schlecht. Dienstag war ich dann wieder aus. Sollte eigentlich ne Drum’n’Bass Party sein, im Endeffekt war es irgendwas, aber nicht Drum’n’Bass. Naja, war ein Tip aus dem Studivz, wird nicht mehr hingegangen. Was echt blöd war ist, dass ich mich am nächsten Tag zu einer Vorlesung hochgequält habe, in der wirklich nur die Assistentin vom Professor anwesend war und eigentlich nichts gemacht hat außer uns zu fragen warum wir den Kurs machen wollen (zur Uni und den Kursen schreibe ich im nächsten Blogeintrag).
Mittwochabend war ein mit einem Haufen Leuten in einem hervorragenden Thairestaurant. Das ist zwar nicht ganz so preiswert, wie die anderen Restaurants hier, aber dafür war das Essen ein Traum. Donnerstag war eine ziemlich große Party, in meiner Unterkunft, bzw. auf der Dachterrasse. Bestimmt waren da beizeiten 35 Leute… Ich gehörte mit zu den letzten und bin auch erst gegen 5 Uhr morgens ins Bett gekommen. Freitag dann der Nachtzug durch Palermo „Gutin Argen“… Da ich erst um 8 zu Hause war, ging mit mir Samstag natürlich gar nichts.
Sonntag war auch ein toller Tag, ich fing irgendwann vormittags an, mit den Leuten aus meinem Apartment rumzuhängen, Filme zu gucken, zu kochen und irgendwann ab Abends dann spontan zu trinken. Erst Wein, dann wollten wir eigentlich Tequila kaufen, da es den nirgends gab nahmen wir Champagner und später noch Whiskey, ging auch wieder bis 2 oder so.
Eigentlich hatte ich mir daraufhin vorgenommen während der Woche nicht wegzugehen und vor allem nicht zu trinken, denkste! Irgendwie bekam ich Wind davon, dass am Montag St.Patrick‘s Day war. Das ist komischer Weise in Argentinien ein riesiges Event! Im Stadtteil Retiro waren 5 oder 6 Blocks komplett gesperrt und voller Leute, die haben dort eine sensationelle Party veranstaltet. Viele Trommelgruppen, viel Musik und viel Tanz. Das Highlight war ein riesiges Fahrrad mit ganz kleinen Rädern, das von einem Berg runter durch die Menschenmasse gebrettert ist. Die Argentinier lieben einfach den Mut zum riesiger. Als das Fahrrad den Berg hochgebrach wurde, begleitete ein riesiger singender und tanzender Mob das Fahrrad, ich natürlich mittendrin. Der Mob war überhaupt nicht zu bremsen und sang alle möglichen Fussballlieder, doch Stadt dem Namen des Fussballteams benutzte sie einfach „Bicicleta“ (Fahrrad). Das war schon total verrückt… Ich war danach komplett mit Bier übergossen und durchgeschwitzt. Trotzdem, ich habs genossen. Danach ging es noch in ne Bar. Good times.
Dienstag war einfach gemütliches zu Hause rumhängen und Film gucken. Selbstverständlich mit nem kleinen Likörchen. Und am Mittwoch… große Farewellparty für einen Australier der mal in meinem Apartment gewohnt hatte. Der Club heißt Museum und ein altes Museumsgebäude dient auch als Location. Hätte sehr geil sein können, wars zum Teil auch, aber eben nur zum Teil. Publikum und Musik waren total widerlich, auch war der Club wieder total überfüllt. Jeden Mittwoch ist im Museo After-Work-Party, was bedeutet, da Publikum ist dementsprechend spießig und teuer angezogen. Ich habe glaube ich noch nie in meinem Leben so viele Hassblicke geerntet, weil ich versehentlich Leute angerempelt hatte. Musik war hauptsächlich 80er und 90er, ziemlich schlecht. Lustig war der Abend vor allem wegen den Leuten, wir hatten irgendwann unsere eigene kleine Ecke und sind dort komplett durchgedreht.
Ich bin selbst ein bisschen überrascht, wie ich diesen Rhythmus durchhalte, viel länger werde ich das wohl nicht mehr aushalten können, evtl. noch dieses Wochenende. Heute gehe ich vielleicht zur Abwechslung mal mit Fabiola in die Kirche. Am 28. März muss ich mich dann auch definitiv entscheiden, welche Kurse ich belegen werde und dann geht’s auch mit dem Studium hier drüben richtig los. Momentan genieße ich einfach das Leben in dieser atemberaubenden Stadt und versuche so viel mitzunehmen und aufzusaugen wie eben möglich!
Lasst bitte auch weiterhin so fleißig von euch hören! Ich melde mich bald wieder!
Suerte,