Sonntag, 24. Februar 2008

Braun-Weiße Trauer!

Ja, als Fussballfanatiker hat man es oft nicht leicht. Der Schiri pfeift komplett willkürlich, die Torschüsse gehen nicht ins Tor, das gegnerische Team hat eigentlich keine Chance, geht aber trotzdem mit 1:0 in Führung,…. Noch etwas dramatischer ist zurzeit die Lage bei Platense. Nach der Winterpause gingen alle drei Spiele verloren. Die Abgänge mehrerer Stammspieler scheinen nicht kompensierbar zu sein und mittlerweile findet sich das Team im Abstiegskampf wieder.

Gestern war mal wieder Fussballzeit. Diesmal machte ich mich ganz alleine auf den Weg ins Stadion. Ca. 45 Minuten vor Anpfiff war am Stadion noch überhaupt nichts los. In Argentinien ist es völlig normal erst in den letzten 15 Minuten vor dem Anpfiff ins Stadion zu pilgern. Und so bummelte ich ein wenig durch die Gegend und traf ein paar Bekannte der Platense-Presse. Da mein Spanisch mittlerweile etwas besser ist, konnte ich mich diesmal auch schon richtig mit ihnen unterhalten. Eine Frau erzählte mir, dass sie letztes Wochenende einen 20 stündigen Bustrip nach Mendoza auf sich genommen hat, um dort mitzuerleben, wie das eigene Team mit 0:4 untergeht. Trotzdem war sie bester Laune und glaubte heute fest an einen Sieg. Das nenne ich positiven Fanatismus! In den besagten 15 Minuten vor Anpfiff füllte sich auch das Stadion mehr und mehr. Diesmal war es etwas voller als beim vergangenen Heimspiel und einige hatten sogar riesige Trommeln, namens Bombos mit dabei. Die Stimmung war super, das Wetter auch und sogar der rasen wurde im Vergleich zum letzten Heimspiel deutlich nachgebessert. Auch das Spiel begann sehr vielversprechend. Platense nahm sofort das Heft in die Hand, kombinierte und spielte ansehnlichen Offensivfussball. Leider konnte keine der guten Tormöglichkeiten verwertet werden. Nach ca. 15 Minuten allerdings schien das Team die Lust am Fussballspielen zu verlieren. War ja auch ziemlich heiß. Kein Spielaufbau, keine Kombinationen, Flügelspiel schonmal gar nicht und der Abschluss, wenn überhaupt, absolute Katastrophe. Wenn mal etwas ging dann über Einzelaktionen oder Standards. Das Publikum wurde mit zunehmender Spieldauer wütend und begann damit neben dem Schiedsrichter auch eigene Spieler auszupfeifen oder als Hurensöhne zu beschimpfen. In Hälfte zwei wurde es noch schlimmer, denn auf einmal kam auch das andere Team zu Torchancen und zack stand es auf einmal 0:1. Platense brach darauf hin komplett zusammen und agierte noch planloser al zuvor. Das andere Team hatte es wirklich nicht schwer die Führung über die Zeit zu schaukeln.

Es tut schon weh, diesen sympathischen Club so leiden zu sehen. Alles wäre halbwegs erträglich, wenn man zumindest einen gewissen Kampf der Spieler erkennen könnte. Trotzdem war es insgesamt wieder ein schönes Erlebnis. Ich schloss einige neue Bekanntschaften und die Atmosphäre ist einfach immer wieder begeisternd. Auf alle Fälle werde ich den Club weiterhin unterstützen so gut ich es kann. Und mit Leiden kenne ich mich als langjähriger St.Pauli Fan ja sehr gut aus.

Was gibt es sonst noch neues? Die letzte Woche war mal wieder voller spannender Erlebnisse. Mittwoch ging es mit ein paar Leuten nach Chinatown, das ist eigentlich nur eine kleine niedliche Straße, mit vielen Chinashops und Restaurants. Dort habe ich erst einmal groß eingekauft, wie zum Beispiel Tofu und andere vegetarische Produkte, die man sonst nur sehr schwer, bzw. gar nicht findet. Essen war auch lecker. Eine riesige Tofuplatte mit scharfer Soße… Danach ging es spontan weiter nach „Palermo Hollywood“. Palermo ist ein riesiger Stadtteil, der sich daher in vier Teile unterteilt. „Hollywood“ ist einer von ihnen, wahrscheinlich auch der vornehmste. Hier paaren sich vornehme Restaurants neben kleinen Designerboutiquen, dazu gibt es wunderschöne Parks und viele Menschen sind unterwegs. Auf dem Weg trafen wir zwei Mädels mit einer Gitarre. Diese war auf einmal im Arm von Ben aus meinem Spanischkurs, der auf einmal damit Begann wie ein Bekloppter mit dem Ding zu spielen und irgendwelchen sinnlosen Quatsch auf Spanisch zu singen. Das Schauspiel ging ca. 5 Minuten und ich habe in meinem Leben selten so viel gelacht. Davon gibt es auch ein Video, ich hoffe ich kann da irgendwie rankommen, dann stelle ich das hier online. Irgendwann fanden wir eine schöne Bar mit Dachterrasse. Von dort aus konnten wir nicht nur die atemberaubende Mondfinsternis beobachten, sondern führten auch für ca. 2 Stunden eine hochphilosophische Konversation. Auf Spanisch wohlgemerkt. Insgesamt ein toller Abend.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Zuerst stand die schriftliche Abschlussprüfung meines Spanischkurses an (lief ziemlich gut) und danach ging es mit allen Spanischkursen zusammen auf eine Kajaktour nach Tigre. Tigre liegt am nordwestlichen Rand des Ballungsraumes von Buenos Aires und direkt am Delta des Río Paraná, der in den Río de la Plata mündet. Auf den Inseln des Deltas gibt es zahlreiche Sportclubs, Restaurants und auch einen Freizeitparkt. Das Wetter war perfekt, die Stimmung ebenfalls. Die Kajaktour war auch absolut Traumhaft. Obwohl Tabea und beide zum ersten Mal in ein Kajak gestiegen sind, haben wir trotz einiger Anfangsschwierigkeiten das Kajak ganz gut unter Kontrolle bekommen. Die Flusslandschaft war Traumhaft und viele Boote von unterschiedlicher Größe waren unterwegs. Nach der Kajaktour selber gab es dann in einem kleinen Restaurant noch ein paar Biere und Empanadas. Fast ein perfekter Tag... bis ich irgendwann in den Spiegel schaute und feststellte, wie rot mein Kopf war. Natürlich war ich zu cool, um mich mit Sonnencreme einzuschmieren und ich hatte mir einen richtig knackigen Sonnenbrand eingefangen. Abends ging es dann noch für ca. 1-2 Stunden in eine Bar, die sich auf einmal in eine Disco verwandelte. Die Musik war arg schlecht und das Bier für Argentinien viel zu teuer. Hier trafen Tabea und ich noch eine andere Deutsche, die jetzt ein Jahr in Argentinien ist und in den nächsten Tagen nach Hause fliegt. Ihr Plan lautete: „Ich werde zurück kommen, ich werde Argentinierin werden. Oh mein Gott ich beneide euch so.“ Halleluja! Ich bin mal gespannt wie es Tabea und mir in einem Jahr ergeht.

Freitag war dann der letzte Tag meines Spanischkurses, der sich insgesamt sehr gelohnt hat, nicht nur sprachlich. Die Lehrerin konnte viele hilfreiche Tipps zum Leben und Reisen in Argentinien geben. Abgeschlossen habe ich den Kurs mit einer Note von 8/10. Damit bin ich überglücklich, denn so rücke ich jetzt in den Intermedio-Kurs auf und darf dadurch die an der Uni die Politikvorlesungen belegen.

Heute Abend treffe ich mich noch mit Tabea und Miles, einem wirklich sympathischen Ami aus unserem Spanischkurs, um unsere Reise nach Bariloche zu planen. Nach der Orientierungswoche haben wir noch eine Woche frei, bis die Uni beginnt. Und da Bariloche am nördlichen Rand von Pantagonien, der argentinischen Schweiz befindet, ist es ratsam dorthin zu reisen solange es noch einigermaßen warm ist. Geplant ist ein 20 stündiger Bustrip, jeweils hin und zurück. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Anbei noch ein paar Fotos von der Exkursion nach Tigre.

Lasst was von euch hören und machts richtig gut!

Euer Nico
























Dienstag, 19. Februar 2008

Die Uhr tickt schneller!

Jetzt bin ich mittlerweile schon fast zwei Wochen vor und es fühlt sich an wie ein halber Tag, höchstens…

Nach dem Hoch der ersten bin ich mittlerweile wieder etwas runter gekommen und zwar mit Kopfweh und Schlappheit. Ob es das Klima, die Lautstärke oder die Abgase sind, no idea. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Mittlerweile bin ich schon wieder recht fit, aber 1-2 Tage ging es mir ziemlich mies. Der Spaß begann letzten Samstag auf dem Geburtstag von Emilio, einem Bekannten von Natacha. Ich hatte den ganzen Tag bei tierischer Hitze Altlasten für die HS Bremen beseitigt und merkte schon auf dem Hinweg, dass dies wohl nicht mein Abend wird. „Naja mit ein bisschen Alkohol und Feiere wird das schon wieder..“ Denkste!!! Nach ca. 1-2 auf dem Geburtstag baute ich auf einmal rapide ab bekam starke Kopfschmerzen. Ouch! Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, aber lange hielt ich das auch nicht durch. Die Argentinier waren super hilfreich und baten mir Tabletten und Hilfe an. Im Endeffekt bestellten sie mir ein Taxi und ich fuhr mit dickem Schädel nach Hause. Die nächsten 1-2 Tage ging es dann langsam aber sicher Berg auf.

Gestern habe ich mich mit anderen internationalen Studenten meiner neuen Uni getroffen. Zuerst gab es in einer Bar um die Ecke ordentlich Bier, danach ging es ins Milión. Eine Bar, wie man sie in New York, London, Paris, Mailand, etc. schöner nicht finden wird. Ein ca. hundert Jahre altes Haus mit Garten, großartiges Ambiente mit viel Kunst und Gemälden, dazu großartige, massenfreundliche House Musik. Wenn man wie ich Spaß daran hat Leute zu beobachten ist dieser ein Paradies. Das Publikum besteht hauptsächlich aus Touristen (viele Deutsche) und ein bisschen argentinische Oberschicht. Junge Frauen auf der Suche nach reichen Männern und so weiter. Allesamt extrem schick gekleidet. Die Getränke sind für argentinische Verhältnisse auch dementsprechend teuer, als Europäer aber immer noch bezahlbar (Ein Caipirinha kostet dort 21 pesos, ca. 5 Euro). Naja, oft werde ich hier wohl nicht verkehren, da es nicht meine Welt ist und schon gar nicht das Argentinien, was ich kennenlernen möchte. Trotzdem, das Teil ist ein Erlebnis und jeder der mich hier besuchen kommt wird dorthin geschleppt. Punkt!

Was gibt es sonst noch zu berichten?? Die Amis im Spanischkurs sorgen bei Tabea und mir nach wie vor für viele Lacher. Eigentlich ist jeden Abend irgendetwas los, sei es Kino, Trinken, irgendwo rumhängen, etc. Ein Highlight war sicherlich ein BBQ in der WG von Tabea, letzten Donnerstag. Ihre Vermieter sind drei argentinische Geschwister (eine Frau, zwei Männer), allesamt komplett verrückt und witzig. Auch sie haben mich großartig aufgenommen. Diese Herzlichkeit ist schon beeindruckend… Die Gäste waren bunt gemischt und international (Argentinien, Mexico, Finnland, Ungarn, Deutschland ;-) und USA). Zu den Gästen aus den USA, eine lustige Anekdote: Der Typ ist seit ca. 18 Monaten in Argentinien und hat mittlerweile eine neun Monate alte Tochter. Um das Enkelkind kennen zu lernen sind die Eltern zu Besuch in Bs As. Der Vater macht eigentlich alle zwei Minuten Witze über seinen Sohn und das Kind, während die Mutter eigentlich nur ununterbrochen wirres Zeug geredet hat. Sogar noch schlimmer wurde die Mutter, als sie, weil sie keinen Alkohol trinkt, an einer Haschischzigarette gezogen hat… Naja, der Abend war schon tierisch lustig. Unzählige Biere (wenn das alle ist, wird einfach neues bestellt) und mein erstes richtiges Essen hier. Tabea hatte mir in China Town netterweise Tofu mitgebracht. Dazu gab es für mich gegrillte Zucchini, Kürbis, Aubergine und viel Salat. Die Atmosphäre bei solchen Events ist unbeschreiblich. Viel Musik, laute, kontroverse Gespräche und vor allem viel viel Gelächter. Ich bin mir sicher es werden noch viele solche Abende folgen.

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Meine Wohnetage versinkt momentan immer mehr im Dreck und Müll, vor allem die Küche. Das ist nicht so witzig und wenn sich der Zustand nicht bald ändert, werde ich mir auf kurz oder lang etwas Anderes suchen. Momentan bin ich immer noch damit beschäftigten Hausarbeiten für die Hochschule fertig zu schreiben und Spanisch zu lernen. Donnerstag und Freitag kommen die schriftliche und mündliche Prüfung meines Spanischkurses… Donnerstag findet zudem eine Exkursion zum Tigre Delta statt. Was auch passiert ich halte euch auf dem Laufenden und freue mich im Gegenzug auf News von euch.

Suerte!

Euer Nicolas

Freitag, 15. Februar 2008

St.Pauli auf Argentnisch


Nach dem feucht fröhlichen Abend Samstagabend verabredete ich mich Sonntag erstmal mit Tabea, um die Gegend in der wir wohnen ein bisschen besser zu erkunden. Ganz oben auf unserer Liste stand der Friedhof in Recoleta. Auf diesen Friedhof, eine der größten Sehenswürdigkeiten, befinden sich die Ruhestätten vieler berühmter und reicher Argentinier. Unter anderem alle argentinischen Staatspräsidenten und natürlich die Nationalheldin Evita Perón. Und die Reiseführer haben nicht zu viel versprochen. Der Friedhof ist wirklich eine Attraktion. Die Toten werden in ihren Familienkapellen untergebracht. Jede dieser Kapellen ist im Grunde genommen ein eigenes Kunstwerk. Wenn mein Spanisch etwas besser ist mache ich hier auf jeden Fall nochmal eine Führung mit. Direkt neben dem Friedhof lagen ein unglaublich schöner Markt und ein kleiner Park, in dem eine Reggeaband spielte. Viele Menschen waren dort unterwegs und es herrschte eine tolle Atmosphäre. Ein wunderschönder und entspannter Ausflug, genau richtig für einen verkaterten Sonntag.

Montag, direkt nach dem Spanischkurs, folgte meine bisher schönste Erfahrung in Argentinien. Das erste Mal Fussball, im Stadion von Platense. Tabea, die eigentlich kein Fussballfan ist, konnte ich auch dazu animieren mitzukommen. Natacha hatte mir schon erzählt, dass viele Leute mich treffen wollen und wir vor dem Spiel noch in der Presseabteilung, in der sie sich freiwillig engagiert, vorbeischauen würden. Das Stadion liegt einige hundert Meter außerhalb des riesigen Stadtzentrums von Bs As, direkt an einer großen Verkehrsstraße, inmitten einer dicht besiedelten Wohngegend. 1 ½ Stunden vor Anpfiff war noch erstaunlich wenig los. Mir wurde erklärt, dass man in Argentinien erst ca. eine halbe Stunde vor Anpfiff ins Stadion geht. Das erste Aha-Erlebnis geschah am Kartenschalter. Einer der Verkäufer trug eines der bekannten „Weltpokalsiegerbesieger“ Shirts. Nachdem wir Tickets und Presseausweise besorgt hatten, trafen wir zunächst auf „Chino“, den Leiter der Platensepresse. „Chino“ ist ein extrem herzlicher und kräftig gebauter Mensch. Dazu ein großer St.Pauli Fan. Angeblich soll er mal gesagt haben, er sei im falschen Land geboren worden. Er begrüßte mich, wie eigentlich alle hier extrem herzlich und freute sich riesig über die von mir mitgebrachten St.Pauli-Shirts. Eines zog er sofort an. Die Platensepresse innerhalb des Stadions ein kleines Haus. Während des Spiels wird über der Sitzplatztribüne gearbeitet, wo Fernsehen und Radio mit Informationen, Aufstellungen, etc. versorgt werden. Dort oben trafen wir noch mehr Mitglieder der Presseabteilung, von denen mir alle ihre Sympathie zu St.Pauli bekundeten. Ein junger Mann berichtete mir sogar, dass er weinen musste, als er das Video gesehen hat, wie St.Pauli gegen Bayern aus dem DFB-Pokal ausschied. Wow!! Mit soviel Zuneigung und Sympathie hatte ich gar nicht gerechnet. Dort oben durfte ich auch zum ersten mal Mate, das argentinische Nationalgetränk kosten (siehe Foto). Mate ist eine Art Teegetränk und Kräutermix, das tierisch gesund sein soll, den das Hungergefühl mildert und ungeahnte Kräfte freisetzt. Wenn man sich erstmal an den intensiven Geschmack gewöhnt hat, ist es sogar ganz lecker.

Nach vielen Umarmungen und Sympathiebekundungen ging es dann in den Fanblock. Mittlerweile war es 20 Minuten vor Anpfiff und immer mehr Menschen pilgerten ins Stadion. Das Stadion Ich war sehr gerührt, wie viele hier St.Pauli Shirts und Trikots trugen und fühlte mich auch hier gleich wie zu Hause. Wegen des ungünstigen Spieltermins (Montagabend 21:00 und Urlaubszeit), trieb es nur ca. 3-4000 Fans ins Stadion. Das Stadion besteht, ähnlich wie das alte Millerntor, zu 75% aus Stehplätzen und hat trotz seines Bruchbudencharakters einen enormen Charme. Auswärtsfans sind nach unzähligen Krawallen mit Toten in der zweiten argentinischen Division leider nicht mehr zugelassen. Was die Zuschauer jedoch an Stimmung veranstalten, übertraf all meine Erwartungen. Hier wird 90 Minuten gesungen, gesprungen, getanzt, gebuht und vor allem geflucht. Alle Vereine, die in Deutschland meinem, sie betreiben guten Support, sollten hier mal vorbeischauen und sich dieses Spektakel geben. Fussball ist in Argentinien alles andere als ein Hobby oder eine Freizeitbeschäftigung, sondern wird gelebt. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Fussball für viele Menschen hier eine Religion ist. Nicht umsonst hat Diego Maradonna seine eigene Kirche.

Das Spiel selber ging leider mit 2:3 verloren, nicht zuletzt mit großer Unterstützung des Schiedsrichters, der innerhalb von 10 Minuten zwei Elfmeter für den Gegner pfiff. Was fussballerisch geboten wurde, war in der Tat kein Hochgenuss. Ich würde sagen, ungefähr vergleichbar mit der 4. Liga in Deutschland. Die Spieler sind allesamt dribbelstark und ziemlich flink, aber grottenschlecht im Passspiel und Abschluss. Taktik? Nein danke! Einfach mal drauf loskicken und schauen was passiert. Leider haben einige Leistungsträger den Verein verlassen, weil dieser Schwierigkeiten hatte die Gehälter zu bezahlen. Auch werden zurzeit fleißig Spenden für den Rasen des Trainingsgeländes gesammelt…

Trotz des unglücklichen Ausgangs war es für mich ein unheimlich schöner und aufregender Abend. Der Verein und seine Anhänger haben jetzt schon ihren Platz in meinem Herzen sicher und ich freue mich jetzt schon auf die vielen Spiele, die ich hier noch erleben werde. Die Gesänge haben sich mittlerweile als Ohrwürmer in meinen Kopf gebrannt!

Falls ihr euch mal einen Eindruck der Atmosphäre verschaffen wollt, empfehle ich euch folgende Videos auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=wSIqoHUM_i8

http://www.youtube.com/watch?v=GT2c6gi5ddc&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=p9ib9voKtY0

http://www.youtube.com/watch?v=Z5ADvDn5Kg4

http://www.youtube.com/watch?v=v1XLbCvWXYI

Na habt ihr nicht Lust mal vorbeizuschauen!!???

Also, ich wünsche ich alles Gute!

Nicolas!

Erstes WE in Bs As - Was für ein Start!!


Das erste Wochenende in dieser verrückten Stadt ist zwar mittlerweile schon wieder eine Woche her, aber ich möchte euch trotzdem nicht vorenthalten, was ich erlebt habe.

Freitagmorgen bin ich erstmal mit dem Bus zu meiner neuen Uni gefahren (die Busfahrt an sich war schonmal ein Erlebnis), um mich mal vorzustellen und den Einstufungstest für meinen Spanischkurs zu machen.
Die Uni liegt direkt am Rio de la Plata, im Herzen von Buenos Aires. Was mir sofort auffiel als ich das Hauptgebäude betrat, war das viele Sicherheitspersonal, die peinlich genau darauf achten wer dort ein und ausgeht und ob man sich an die Kleiderordnung hält (zum Beispiel keine kurzen Hosen). Außerdem hingen dort viele Bilder von unserem heiligen Papst Benedetto! Ist ja schließlich eine katholische Uni!!
Der Spanischtest war echt hart, aber immerhin bin ich nicht im totalen Anfängerkurs gelandet sondern, wie Tabea (Anm. d. Verf. Tabea: Kommilitonin von mir aus Bremen, die ebenfalls für ein Jahr in Bs As ist) im Pre-Intermedio. Der Kurs ist im Übrigen sehr nett und die Lehrerin haut immer mal ein paar gute Witze raus oder bringt uns gängige Schimpfwörter bei, wenn die Luft mal ein bisschen raus ist. Außer Tabea und mir sind alle anderen Teilnehmer aus den USA und bestätigen mal wieder wunderbar all die Vorurteile, die man gegen dieses komische Völkchen hat. Trotzdem sind einige von ihnen ganz nett!

Freitagabend wollte ich eigentlich mit Natacha eine Handykarte besorgen und mein Handy umstellen lassen, damit es hier funktioniert. Leider hatte der Shop schon geschlossen. Wir verabredeten uns dann für später. Der Plan war mit einigen von ihren Freunden in eine Bar zu gehen und dort Pizza zu essen. In Argentinien scheint es jedoch üblich zu sein, Pläne auch schnell mal zu verwerfen und auf einmal war der Treffpunkt eine Bar in Palermo, im Stadtteil nebenan, wo ich ganz locker zu Fuß hingehen konnte. Der Treffpunkt war 0:30, eine normale Zeit um hier auszugehen, sogar eher noch ein bisschen früh. Ich erreichte die Bar fast gleichzeitig mit dem Taxi von Natachas Freundeskreis und wurde erstmal total herzlich begrüßt, ähnlich wie von ihrer Familie. Ich war ziemlich verwundert wie viel die Leute schon von mir gehört hatten und von mir wussten. Auf einmal musste ich in meinem Grottenspanisch erklären, warum ich Vegetarier bin. Für Argentinier natürlich vollkommen unvorstellbar. Die Bar selber war etwas gewöhnungsbedürftig. Es spielte dort eine Coverband des spanischen Sängers Sabina. Angeblich soll er ein echter Poet sein. Naja, da ich die Texte nicht verstand und nur einen relativ dicken Sänger ins Mikrofon säuseln hörte, fand ich das ganze schon relativ komisch. Die Mädels fuhren allerdings total darauf ab und so machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Trotz der Musik hatte ich einen großartigen Abend und viel viel Spaß. Die Leute ließen mich nicht ein einziges Getränk bezahlen und ernannten den Abend quasi zu meiner Willkommensparty. Ich fühlte mich schon fast ein bisschen zu Hause! Für den nächsten Tag wurde ich erstmal auf ein BBQ im Haus von Kuki, einer Freundin von Naty, eingeladen. Irgendwann bekam ich dann den Zeitunterschied zu spüren und wurde ziemlich müde. Die paar Blocks nach Hause nahm ich dann ein Taxi. Obwohl ich mich hier, wie schon beschrieben ziemlich sicher fühle, muss man es ja nicht gleich übertreiben und zu jeder Uhrzeit zu Fuß in der Stadt rumlaufen.

Aus dem Plan am nächsten Tag ein BBQ zu veranstalten, wurde allerdings nichts. Ich hatte es fast schon geahnt. Der Zeitpunkt des Treffens wurde erstmal kräftig nach hinten verlegt, auf ca. 22:00 im Haus von Kuki. Dort wollten wir Pizza essen und danach noch auf die Piste. Aus dem Pizzaessen wurde mit der Zeit eine kleine Hausparty und immer mehr Leute trudelten ein. Besonders die Jungs hatten großen Spaß daran mir weiß machen zu wollen, sie seinen Schwul. Nach 2-3 Stunden wurde das für mich zwar ein bisschen langweilig, aber ich machte, wie am Abend zuvor gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem die Jungs gepeilt hatten, dass ihnen ihre Geschichte nicht abkaufe, änderten sie ihren Plan und versuchten mich besoffen zu machen. Halleluhja! Und ich bekam in der Tat ziemlich viel albernes Zeug zu trinken. Zum Beispiel: Weißwein, der nach Wassermelone schmeckt, einen Cocktail mit eben diesem Wein und Energydrink, eine Art Götterspeise mit Vodka, etc. Obwohl ich nach einigen Stunden schon ziemlich einen sitzen hatte, habe ich mich sehr wacker geschlagen. Ich denke mal, für die Jungs ist das so eine Art Integrationsprozess für mich... Als ich irgendwann ziemlich müde auf die Uhr schaute war es schon 6:00 morgens. Holy Mumma!!! Heim gings dann mal wieder mit dem Taxi und ich viel ziemlich erschöpft aber glücklich in mein neues Bett. Der Abend verging mal wieder, wie im Flug und ich hatte genau wie am Abend zuvor eine Menge Spaß. Ich bin immer noch total überwältig, wie herzlich und nett hier alle zu mir sind. Insgesamt war diese WE ein toller Einstieg in ein hoffentlich noch tolleres Jahr, mit vielen neuen Bekanntschaften, Cervecas, Copas, Vinos, Fiestas, und was weiß ich nicht allem.

Ich hoffe euch allen geht es ähnlich gute wie mir hier und ich freue mich von euch zu hören!

Hasta Luego

Euer Nico

Ps. Hier ein paar Fotos vom Abend bei Kuki







Montag, 11. Februar 2008

Primeras Impresiónes!

Sooooo.... Nachdem mittlerweile Zeit hatte, die vielen Eindrücke ein bisschen zu verarbeiten, möchte ich hier einige mit euch teilen. Was als erstes auffällt, wenn man nach Buenos Aires kommt, ist die Aufteilung der Stadt in Häuserblocks. Ich denke das hängt damit zusammen, dass Bs As eine Planstadt und nicht wie europäische Städte über Jahrhunderte gewachsen ist.

Das Zweite was auffüllt ist der Verkehr. Überall Autos, Busse und vor allem Taxis. Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so viele Taxis auf einmal gesehen. Die Straßen sind super stabil und entsprechen eigentlich dem europäischen Großstadtstandard. Das Bussystem ist für mich noch ein bisschen undurchschaubar. Ist gibt unzählig viele Buslinien, die alle kreuz und quer durch die Stadt fahren. Lange auf einen Buss warten muss man nie. Allerdings fahren die Busfahrer natürlich oft wie die Besenkten... Neben dem Bussystem gibt es ein U-Bahn Netz, bestehend aus 5 Linien. Die U-Bahnen kommen auch alle zwei Minuten und entsprechen ebenfalls europäischem Standard. Bis jetzt bin ich überall problemlos mit den öffentlichen Verkehrsmittel hingekommen und Nachts nimmt man halt eins der preisweirten Taxis. Obwohl eine Menge Verkehr herrscht, scheinen die Leute weder groß gestresst noch genervt. Es herrscht eigentlich eine angenehme Entspanntheit, vergleichbar mit Südeuropa.

Trotz der Größe der Stadt, des vielen Verkehrs und der vielen hohen Wohnhäuser ist Buenos Aires sehr grün. In der Gegend wo ich wohne gibt es eine ganze Menge Parks und überall sind Bäume, Pflanzen etc.
Auch gibt es in jeder Straße kleine Kioske, Supermärkte, Drogerien und alle möglichen Arten von Shops.

Was mich sehr überrascht ist, wie sicher ich mich hier fühle. Da ich von Südamerika bisher nur Rio de Janeiro kannte, wo man wirklich ganz genau aufpassen muss wo man hingeht und mit wem, hatte ich hier ähnliches erwartet. Wenn man die Armut oder die Unterschiede zum europäischen Lebensstandartd erkennen will, muss man schon sehr genau suchen oder ganz genau hin sehen. Die Menschen hier sind alle sehr chic gekleidet und laufen, ähnlich wie in Europa mit iPod im Ohr durch die Gegend. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass ich in einem sehr bürgerlichen Stadtteil wohne und bisher nur ganz kleine Teile der Stadt kennengelernt habe. Ich bin mal gespannt, ob und wie sich dieses Bild in der nächsten Zeit verändert.

Was gibt es noch zu erzählen. Ich kann bisher nicht sagen, dass sich die Vorurteile Argentinier seien arrogant und selbstverliebt für mich bestätigt haben. Ich finde sie unheimlich herzlich, kommunikativ und hilfsbereit. Im Bus wurde ich zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass mein Rucksack ein bisschen auf ist. Ansonsten wird man oft gefragt, wo man herkommt und was man hier macht.
Was mir sehr hilft ist, dass ich von Natachas Freundeskreis genau so herzlich aufgenommen wurde, wie von ihrer Familie. Das ist schon toll. Über mein erstes WE in Bs As werde ich so bald ich Zeit habe berichten. Jetzt geht es erstmal zum Spanischunterricht.

Ich freue mich von euch zu hören.

Hasta Luego!!

Euer Nico!

Sonntag, 10. Februar 2008

Was ein Empfang!!!

Riesig war meine Freude nach langer Zeit endlich mal wieder ein Flugzeug betreten zu dürfen und ins große Ungewisse zu reisen. Die Freude verflog jedoch schnell, als ich meinen Flieger nach Paris betrat... Ich saß in der vorletzten Reihe und natürlich war kein Platz mehr vorhanden um meine Posaune und meinen Rucksack zu verstehen. So verbrachte ich eingequetscht mit meiner Posaune vor mir und meinen tonnenschweren Rucksack auf dem Schoß, die langen 1 1/2 Stunden nach Paris. Dort wurde es natürlich nicht besser. Meine Posaune durfte ab Paris plötzlich nicht mehr ins Handgepäck und musste eingecheckt werden, das Bier kostete stolze €6 und bis zu meinem Abflug waren es noch 4 Stunden...

Der Flug nach Argentinien war wesentlich entspannter und das Bier war hier zum Glück umsonst!!! Auch war ich heilfroh endlich mal wieder ein paar Stunden entspannen und ohne schlechtes Gewissen schlafen zu können. Die Zeit verging wie im Flug (was für ein Wortspiel!) und zack landete ich auch schon in Buenos Aires (7.2. / 9:30). Die Passkontrolle verlief problemlos und nachdem ich mein gesamtes Gepäck nochmal gescannt wurde trat ich mit klopfendem Herzen in die Empfangshalle. Das Erste was ich erblickte war eine große Pappe mit den Lettern "FC ST PAULI". Wow!!!! Danach gab es viele herzliche Umarmungen. Natacha war mit ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester zum Flughafen gekommen um mich in Empfang zu nehmen.

Natacha kenne ich seit ca. 3 Jahren, allerdings nur über das Internet. Zufällig stolperte ich damals im St.Pauli Forum (www.stpauli-forum.de) über Beiträge aus Argentinien. Dort erfuhr ich, dass es in Buenos Aires einen Verein gibt, der genau wie St.Pauli in den Farben braun und weiß aufläuft und dessen Geschichte mit der von St.Pauli erstaunliche Ähnlichkeiten aufweist. "Club Atletico Platense" ist in Argentinien ein echter Traditionsverein, der lange Jahre in der ersten Liga spielte. Genau wie St.Pauli stieg Platense innerhalb von 2 Jahren von der ersten in die dritte Liga ab und träumt seitdem von einer erfolgreichen Rückkehr in die Primera Division (mittlerweile spielt Platense wie St.Pauli zum Glück wieder in der zweiten Liga!). Ich war davon so begeistert, dass ich spontan eine e-mail an die Verfasser sandte und so kam der Kontakt zu Natacha (Naty) zustande. Aus unserer gemeinsamen Leidenschaft für die Farben braun und weiß hat sich über die Jahre eine tolle Freundschaft entwickelt. Jetzt von ihr und ihrer Familie so herzlich in Empfang genommen zu werden war für mich schon ein sehr emotionaler Moment und ein toller Start für meine Zeit in Argentinien!

Im Freien wehte mir ein kräftiger Wind entgegen. Die Sonne schien nicht, heiß und schwül war es trotzdem. Großartig! Die Bremer Monsunzeiten waren also tatsächlich vorbei! Mit dem Auto ging es dann zunächst in sehr hübschen Apartment von Natachas Familie im Stadtteil Belgrano. Hier lernte ich auch Natachas Mutter und ihren Kater Apolo kennen. Von der Herzlichkeit mit der ich trotz meiner stinkenden Klamotten empfangen wurde bin ich immer noch total überwältigt. Nachdem sich Naty's Vater auf den Weg zur Arbeit machte, begleiteten mich Naty, ihre Mutter und ihre kleine Schwester zur Bank und zum Supermarkt, um die nötigen Kleinigkeiten zu besorgen. Danach ging es mit Naty im Taxi (die sind hier extrem preiswert) weiter zu meiner Unterkunft im Stadtteil Recoleta. Leider habe ich den Vermieter Walter knapp verpasst und Naty und ich mussten 4 1/2 Stunden warten. Die Zeit verbrachten wir in einem Cafe und verging eigentlich wie im Flug.

Der Einzug in mein Zimmer verlief problemlos. Kurz 1-2 Papiere unterschrieben und dann war ich auch schon in meinem neuen Zuhause, eine Art Mischung aus WG und Wohnheim. Es gibt ca. 10 Zimmer, die vermietet werden. Die Küche und das Bad werden von allen geteilt. Die Küche ist leider extrem runtergekommen und zum kochen nicht so schön. Dafür ist das Bad nicht schlecht. Mein Zimmer ist sehr nett. Recht klein, rustikal eingerichtet, aber sehr gemütlich. Es hat sogar einen kleinen Balkon! Leider sind an der Decke noch Spuren von einem Wasserschaden sichtbar. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Ziemmer direkt an einer lauten Verkehrsstraße liegt, aber bis jetzt hat mich das noch nicht so sehr gestört! Angeblich wohnen hier ne ganze Menge Leute, darunter auch drei Deutsche. Allerdings habe ich bisher nur 2 von den Deutschen und Ivan, einen Equadorienar, getroffen. Alle sind super nett! Ich denke ich werde für das erste hier wohnen bleiben, auch wegen der tollen Lage!

Nach einer schönen kalten Dusche ging es mir auch schon sehr viel besser und habe mit Naty ein bisschen die Gegend erkundet, war noch etwas essen, etc. Ich war wirklich total baff, dass sich eine Person, die ich bis dato nur aus dem Internet kannte sich einfach mal 10 Stunden Zeit nimmt und mir einen so schönen Start in mein neues Leben beschert.

Und ziemlich schnell war mein erster Tag in Bs As auch schon vorbei. Irgendwie fühlte sich alles noch etwas komisch und unwirklich an. Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben, dass diese Stadt für das nächste Jahr mein Zuhause sein wird! Trotzdem ging ich überglücklich zu Bett und freute mich schon riesig auf die kommenden Tage.

Samstag, 9. Februar 2008

Das Vorspiel!

Bevor ich beginne über die eigentliche Reise zu berichten, erzähle ich hier noch kurz von meinen letzten Tagen in Bremen und Hamburg, die mich viel Kraft und Nerven gekostet haben.

Ungefähr Mitte Dezember erhielt ich die lang ersehte Zusage für das Semester an der UCA. Zwar war die Freude damals riesengroß, aber was diese Zusage wirklich Bedeutet, wurde mir so richtig erst in den Tagen vor meiner Abreise klar. Obwohl ich den gesamten Januar über wichtige Meilensteine zur Vorbereitung meiner Reise abhaken konnte (Impfungen, polizeiliches Führungszeugnis mit Apostille, Internationaler Führerschein, etc.) schien der Abflug immer in noch in weiter Ferne.

Den Wendepunkt makiert der 31.1. um ca. 12:00, als ich den letzten Satz in meiner Klausur über die EU beendete. Erst hier ging mir auf, dass das Kapitel Bremen nun erstmal vorbei sein würde. Besonders schwer viel es mir, mich von meinem Kommilitonen, die mir in den letzten 1 1/2 Jahren sehr ans Herz gewachsen sind, zu verabschieden. Ich selbst war von meiner Emotionalität ziemlich überrascht. Trotz einiger Tiefpunkte verbinde ich mit meinen ersten drei Semestern Studium an der HS Bremen, eine der schönsten und erfahrungsreichsten Zeiten meines Lebens. Viele Leute aus meinem Studiengang sind mir unheimlich ans Herz gewachsen. Sich von allen gleichzeitig zu verabschieden war schon sehr komisch.

Mit einem ziemlich flauen Magen fuhr ich an diesem Tag nach Hamburg. Meine Laune verbesserte sich jedoch schnell, als aus dem tollen Abschiedsessen mit meiner besten Freundin Mareike, unerwartet eine kleine Überaschungsabschiedsparty auf dem Kiez wurde. Ab nun begann ein regelrechter Abschiedsmarathon... Dazu gab es noch unzählige Vorbereitungen zu erledigen. Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so wenig geschlafen und so viel auf einmal erledigt. Dennoch war es eine unheimlich schöne letzte Woche in Deutschland, in der ich noch einmal etwas Zeit mit meiner Familie, meinen engsten Freunden und speziell auch meinen Großeltern, verbringen konnte.

Als es am Mittwoch den 06.02.2008 endlich in Richtung Flughafen ging, war ich trotzdem froh und erleichtert. Besonders im letzten halben Jahr war ich zunehmend genervt und gestresst von meinem Alltagseben in Deutschland. Dazu wurde mein Fernweh mit der Zeit immer größer...
Auch wenn ich vieles von zu Hause vermissen werde, war diesmal die Vorfreude auf das Neue und Unbekannte so groß, dass mir der Abschied nicht besonders schwer viel. Und so begann nach einer herzlichen Verabschiedung von meiner Familie und Johannes, die mich zum Flughafen begleiteten, mein argentinisches Abenteuer zunächst mit einem Flug nach Paris...

Bienvenido!

Das Warten ein Ende! Nach 3 1/2 wunderbaren Jahren in Hamburg und Bremen gehts es für mich endlich wieder in die Ferne. Nach meinen prägenden Aufenthalten in Brasilien (4 Wochen - 2000/01), Australien (5 Wochen - 2002) und noch einmal Australien (Diesmal ein Jahr 2003/04) geht es für mich diesmal wieder auf den südamerikanischen Kontinent.

Das Ziel: Buenos Aires, Argentinien!
Der Plan: Ein Semester Studium an der "Pontificia Universidad Católica Argentina" (UCA) und im Anschluss daran ein oder mehrere Praktika im politischen Kontext. Insgesamt habe ich vor ein Jahr ein Bs As zu leben, wobei auch das Erkunden anderer Landesteile oder eventuell anderer Länder in Südamerika nicht zu kurz kommen soll. Ich freue mich auf ein Jahr voller unvergesslicher Erfahrungen, das Erlernen der spanischen Sprache, viele neue Freundschaften, die allseits bekannte Erweiterung des Horizontes und vor allem viel viel Spaß!

Dieser Blog soll all denen, die sich für mein Leben in Bs As interessieren, eine Möglichkeit bieten auf dem Laufenden zu bleiben. Ich werde versuchen so oft es geht, über mein Leben, meine Erfahrungen und meine Eindrücke zu berichten. Für mich ist es eine dankbare Möglichkeit das Schreiben von Kettenmails zu umgehen. Außerdem sind meine Berichte so auch Leuten zugänglich, die sich allgemein für das Leben oder ein Studium in Argentinien interessieren. Natürlich bekommt jeder der mir eine Mail schreibt auch eine Antwort. Falls ihr mit mir in Kontakt treten wollt schreibt mir einfach eine E-Mail! Ansonsten bin ich über MSN, Skype, Studivz und hoffentlich bald auch per Telefon zu erreichen.

Bevor ich anfange zu berichten, möchte ich mich an dieser Stelle noch bei einigen Leuten bedanken:
Der größte Dank geht an meine Eltern (+ Schwester), die mich auch in diesem "Abenteuer", wie schon mein ganzes Leben lang, bedingungslos unterstützen. Ohne eure offene Erziehung, euer Vetrauen und euere Untersützung wäre ich heute nicht hier.
Ein großes Dankeschön geht an meinen ehemaligen Dozenten Ulrich Brand, der mich in einem ca. 15 minütigen Gespräch, trotz großer Zweifel, davon überzeugt hat mein Auslandssemester in Argentinien zu absolvieren, ohne gutes Spanisch zu sprechen. Ich bin nicht sicher, ob ich sonst den Mut gehabt hätte diesen Schritt zu wagen.
Ebenfalls Danken möchte ich meinem Dozenten Dr. Matthew Nwoko, der für meine Bewerbung an der UCA ein Empfehlungsschreiben verfasst hat und damit auch einen Beitrag dazu geleistet hat, dass ich heute hier sein darf.
Ein riesiges Dankeschön möchte ich Natacha Forciniti (eine argentinische Bekannte von mir) und ihrer Familie aussprechen. Obwohl wir uns bisher nur über das Internet kannten, hat sie mir bei meiner Vorbereitung für die Reise bei unzähligen Dingen geholfen und mir in Argentinien einen Empfang bereitet, wie er schöner nicht hätte sein können.
Als letztes möchte ich, ohne Namen zu nennen, all den Personen danken, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben und mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Danke für alles, ich weiß es zu schätzen!!

Also, nun soll es losgehen: Herzlich Willkommen in meinem Blog und viel Spaß beim Lesen!

Euer Nico!