Das erste Wochenende in dieser verrückten Stadt ist zwar mittlerweile schon wieder eine Woche her, aber ich möchte euch trotzdem nicht vorenthalten, was ich erlebt habe.
Freitagmorgen bin ich erstmal mit dem Bus zu meiner neuen Uni gefahren (die Busfahrt an sich war schonmal ein Erlebnis), um mich mal vorzustellen und den Einstufungstest für meinen Spanischkurs zu machen.
Die Uni liegt direkt am Rio de la Plata, im Herzen von Buenos Aires. Was mir sofort auffiel als ich das Hauptgebäude betrat, war das viele Sicherheitspersonal, die peinlich genau darauf achten wer dort ein und ausgeht und ob man sich an die Kleiderordnung hält (zum Beispiel keine kurzen Hosen). Außerdem hingen dort viele Bilder von unserem heiligen Papst Benedetto! Ist ja schließlich eine katholische Uni!!
Der Spanischtest war echt hart, aber immerhin bin ich nicht im totalen Anfängerkurs gelandet sondern, wie Tabea (Anm. d. Verf. Tabea: Kommilitonin von mir aus Bremen, die ebenfalls für ein Jahr in Bs As ist) im Pre-Intermedio. Der Kurs ist im Übrigen sehr nett und die Lehrerin haut immer mal ein paar gute Witze raus oder bringt uns gängige Schimpfwörter bei, wenn die Luft mal ein bisschen raus ist. Außer Tabea und mir sind alle anderen Teilnehmer aus den USA und bestätigen mal wieder wunderbar all die Vorurteile, die man gegen dieses komische Völkchen hat. Trotzdem sind einige von ihnen ganz nett!
Freitagabend wollte ich eigentlich mit Natacha eine Handykarte besorgen und mein Handy umstellen lassen, damit es hier funktioniert. Leider hatte der Shop schon geschlossen. Wir verabredeten uns dann für später. Der Plan war mit einigen von ihren Freunden in eine Bar zu gehen und dort Pizza zu essen. In Argentinien scheint es jedoch üblich zu sein, Pläne auch schnell mal zu verwerfen und auf einmal war der Treffpunkt eine Bar in Palermo, im Stadtteil nebenan, wo ich ganz locker zu Fuß hingehen konnte. Der Treffpunkt war 0:30, eine normale Zeit um hier auszugehen, sogar eher noch ein bisschen früh. Ich erreichte die Bar fast gleichzeitig mit dem Taxi von Natachas Freundeskreis und wurde erstmal total herzlich begrüßt, ähnlich wie von ihrer Familie. Ich war ziemlich verwundert wie viel die Leute schon von mir gehört hatten und von mir wussten. Auf einmal musste ich in meinem Grottenspanisch erklären, warum ich Vegetarier bin. Für Argentinier natürlich vollkommen unvorstellbar. Die Bar selber war etwas gewöhnungsbedürftig. Es spielte dort eine Coverband des spanischen Sängers Sabina. Angeblich soll er ein echter Poet sein. Naja, da ich die Texte nicht verstand und nur einen relativ dicken Sänger ins Mikrofon säuseln hörte, fand ich das ganze schon relativ komisch. Die Mädels fuhren allerdings total darauf ab und so machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Trotz der Musik hatte ich einen großartigen Abend und viel viel Spaß. Die Leute ließen mich nicht ein einziges Getränk bezahlen und ernannten den Abend quasi zu meiner Willkommensparty. Ich fühlte mich schon fast ein bisschen zu Hause! Für den nächsten Tag wurde ich erstmal auf ein BBQ im Haus von Kuki, einer Freundin von Naty, eingeladen. Irgendwann bekam ich dann den Zeitunterschied zu spüren und wurde ziemlich müde. Die paar Blocks nach Hause nahm ich dann ein Taxi. Obwohl ich mich hier, wie schon beschrieben ziemlich sicher fühle, muss man es ja nicht gleich übertreiben und zu jeder Uhrzeit zu Fuß in der Stadt rumlaufen.
Aus dem Plan am nächsten Tag ein BBQ zu veranstalten, wurde allerdings nichts. Ich hatte es fast schon geahnt. Der Zeitpunkt des Treffens wurde erstmal kräftig nach hinten verlegt, auf ca. 22:00 im Haus von Kuki. Dort wollten wir Pizza essen und danach noch auf die Piste. Aus dem Pizzaessen wurde mit der Zeit eine kleine Hausparty und immer mehr Leute trudelten ein. Besonders die Jungs hatten großen Spaß daran mir weiß machen zu wollen, sie seinen Schwul. Nach 2-3 Stunden wurde das für mich zwar ein bisschen langweilig, aber ich machte, wie am Abend zuvor gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem die Jungs gepeilt hatten, dass ihnen ihre Geschichte nicht abkaufe, änderten sie ihren Plan und versuchten mich besoffen zu machen. Halleluhja! Und ich bekam in der Tat ziemlich viel albernes Zeug zu trinken. Zum Beispiel: Weißwein, der nach Wassermelone schmeckt, einen Cocktail mit eben diesem Wein und Energydrink, eine Art Götterspeise mit Vodka, etc. Obwohl ich nach einigen Stunden schon ziemlich einen sitzen hatte, habe ich mich sehr wacker geschlagen. Ich denke mal, für die Jungs ist das so eine Art Integrationsprozess für mich... Als ich irgendwann ziemlich müde auf die Uhr schaute war es schon 6:00 morgens. Holy Mumma!!! Heim gings dann mal wieder mit dem Taxi und ich viel ziemlich erschöpft aber glücklich in mein neues Bett. Der Abend verging mal wieder, wie im Flug und ich hatte genau wie am Abend zuvor eine Menge Spaß. Ich bin immer noch total überwältig, wie herzlich und nett hier alle zu mir sind. Insgesamt war diese WE ein toller Einstieg in ein hoffentlich noch tolleres Jahr, mit vielen neuen Bekanntschaften, Cervecas, Copas, Vinos, Fiestas, und was weiß ich nicht allem.
Ich hoffe euch allen geht es ähnlich gute wie mir hier und ich freue mich von euch zu hören!
Hasta Luego
Euer Nico
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