Ein bisschen hat es gedauert, aber jetzt will ich euch endlich auch mit meinem Bericht von meinem Trip nach „Bariloche“ beglücken. Halleluja, war echt eine geniale Reise.
Erstmal ein bisschen was zum Ort selbst. Der Ort „Bariloche“ liegt im nördlichen „Patagonien“ mit dem Bus ca. 20 Stunden von Buenos Aires entfernt. Wegen der vielen Berge, Seen und Wälder wird die Gegend oft auch als argentinische Schweiz bezeichnet. Der Ort selbst wurde auch von Schweizern und Deutschen gegründet und man munkelt es gebe dort die beste Schokolade Argentiniens. Im Allgemeinen gilt die Gegend als Outdoorparadies von Argentinien. Zahlreiche Wanderwege und riesige Nationalparks finden sich hier. Ansonsten sind Bergsteigen, Waterrafting, Pferdetouren, etc. weitere beliebte Freizeitaktivitäten.
Jetzt ein bisschen was zur Gruppe. Wir waren insgesamt vier Leute. Tabea aus Bremen, Miles aus den USA (Ohio), Corinna aus Österreich und meine Wenigkeit. Tabea sollte den meisten eigentlich ein Begriff sein, habe ich auch schon oft und häufig hier erwähnt. Miles ist wie gesagt ein Ami, den wir im Spanischkurs kennengelernt haben. Der Typ scheint ein Chemiegenie zu sein und hat wohl auch schon Bücher mitveröffentlicht. Im praktischen Alltag hat er allerdings einige kleine Defizite. Wie im Chemielaber muss jede Entscheidung genaustens abgewogen werden. So kommt es durchaus vor, dass er 10 Minuten vor dem Wasserregal im Supermarkt steht und überlegt, welche Wasser ohne
Kohlensäure er den am besten kaufen solle. Auch war er noch nie in einer Jugendherberge und bei seinen bisherigen Reisen war schon vor der Abfahrt alles genau durchgeplant. Corinna haben wir während der Orientierungswoche an der Uni kennengelernt. Als sie gehört hat, dass wir nach „Bariloche“ fahren hat sie sich spontan entschlossen mitzukommen und so waren wir zu viert.
Die Reise begann am Samstagnachmittag. Ein bisschen verkatert packte ich am frühen Mittag meinen Koffer und begab mich ganz entspannt zum Busterminal in Bs As. Der ist übrigens riesig, da Busfahren in Argentinien das beliebteste Reisemittel ist und außerdem super billig. Für die Reise haben wir für beide Wege etwas unter €60 bezahlt, inklusive Essen. Naja, der Bus traf allerdings mit einiger Verspätung am Terminal ein, aber das muss man in Argentinien einfach in Kauf nehmen. Die Busfahrt selber war ok. Die Sitze waren extrem bequem, gar nicht zu vergleichen mit Bussen in Europa. Als der Bus endlich auch mal aus dem Großraum von Bs As heraus war, kam mir die Fahrt auch gar nicht so lang vor. Im Großraum der Stadt hat er echt alle 2 Minuten an irgendeinem kleinen Terminal gehalten um Fahrgäste aufzunehmen. Total verrückt sind übrigens die Filme, die während der Busfahrt laufen. Auf der Hinfahrt lief zum Beispiel ein primitiver Alienschocker, bei dem die Aliens u. a. einer schwangeren Frau ihr Kind aus dem Bauch rausgefressen haben. Total abartig, vor allem wenn man bedenkt, dass viele Familien mit Kindern mitgereist sind. Dazu ist man quasi gezwungen sich das anzuschauen, da die Bildschirme nachts die einzigen Lichtspender sind. Naja, am nächsten Tag als alle Familien den Bus verlassen hatten und nur noch ältere Leute mit dabei waren lief irgendein Pferdefilm für 13 Jährige Wendyfans… Das war schon ein Erlebnis. Die Landschaft, bzw. die Veränderungen in der Landschaft waren natürlich wesentlich spannender zu beobachten. Das jetzt hier zu beschreiben würde dem nicht gerecht werden. Nicht weil alle Landschaften auf dem Weg so atemberaubend waren, sondern weil ich nicht wüsste womit ich es vergleichen sollte. Als wir aus Bs As rausfuhren hat die Landschaft irgendwie ein bisschen an Norddeutschland erinnert. Sehr flach, große Felder und ähnliche Farben. Näher an „Bariloche“ war es dann eher wie eine Mischung aus Südspanien und Australien. „Nordpatagonien“ erinnert schon ein wenig an die Schweiz. Von der Art der Berge, sowie der Fauna ist es aber doch wieder ganz anders und einzigartig.
„Bariloche“ liegt ca. 800 Metern über dem Meeresspiegel vor einem Hügel direkt an einem riesigen See. Die Lage ist absolut idyllisch. Um den gesamten See finden sich Berge und Wälder. Das Wasser ist übrigens glasklar. In „Bariloche“ gibt es auch einen kleinen, aber sehr gut besuchten Strand… Da wir so gegen 16:00 im Ort ankamen, haben wir den ersten Tag erstmal genutzt um uns ein bisschen von der Busfahrt zu erholen. Ein bisschen bummeln im Stadtzentrum, ein wenig entspannen im Park, Strand auschecken, abhängen in der Jugendherberge, etc.. Das Wetter war toll. Ca. 23° und keine einzige Wolke am Himmel. Ums vorwegzunehmen, so blieb es auch die ganze Woche.
Am nächsten morgen entschieden wir uns zu wandern, weil das eine preiswerte und gute Möglichkeit ist, die Gegend zu erkunden. Mit dem Bus ging es in ca. 30 Minuten nach „Llao Llao“. Dort ist eins der besten und teuersten Hotels in Argentinien ansässig und viele Wanderpfade führen durch dichte Wälder und vorbei an großen Seen. Gebt einfach mal bei Google „Llao Llao“ ein, falls euch interessiert wie es dort ausschaut. Der Tag war wirklich traumhaft, wir sind bestimmt 5-6 Stunden gewandert und haben dabei allerlei entdeckt. Beim Wandern haben wir u. a. Gerhard kennengelernt, einen Kanadier mit deutschen Wurzeln, der Geschichte und Deutsch studiert hat und ein Jahr in Dresden gewohnt hat. Momentan reist er schon seit ca. 3 Monaten durch Südamerika und konnte uns eine ganze Menge zum Reisen hier erzählen. Nach der Wandertour waren wir auf jeden Fall alle gut kaputt…
Für den nächsten Tag war etwas komplett Abgefahrenes geplant, zumindest für mich. Und zwar ein ganztägiger Reitausflug. Ich bin sicherlich keine Pferdefan und bin es auch nicht nach dem Ausflug (naja, vielleicht ein bisschen). Aber diese traumhafte Landschaft auf einem Pferderücken zu erkunden hatte schon einen ziemlichen Reiz. Um 10:00 morgens wurden wir mit einem Kleinbus von unserer Jugendherberge abgeholt und zu einer Estancia gefahren. Dort wurden wir von den Besitzern herzlich begrüßt. Zur Begrüßung gab es allerlei Getränke und natürlich auch Mate. Da für die Tour am Morgen nur wir vier angemeldet waren, waren wir mit unserem Guide Jesus ganz unter uns. Die Pferde waren relativ einfach zu handlen, da sie natürlich total auf Touristen wie uns abgerichtet waren. Meine Stute „Rosie“ war auf jeden Fall gut dabei und wollte auch immer erste sein. Wenn ein anderes Pferd zum überholen ansetzte, biss sie einfach nach dem Reiter. So ritt ich auch die meiste Zeit als Erster direkt hinter Jesus. Die erste Tour ging ungefähr zwei Stunden, und zwar kreuz und quer durchs Gebirge. Es war natürlich schön, dass wir vier unter uns waren, denn so konnte man die Landschaft und Atmosphäre nochmal ganz anders genießen. Zurück zur Farm ging es dann auch in den Galopp. Das war schon ein geiles Gefühl, wobei ich mir danach ernsthaft Sorgen um meine zukünftige Vaterschaft gemacht habe… Zum Mittag gab es für die Fleischesser natürlich Asado und für mich netter Weise Pasta, Salat und ordentlich Wein. Bei der zweiten Tour sind bestimmt 16 Leute mitgekommen. Trotzdem war es genau so schön, wie beim ersten Mal. Ging auch ungefähr zwei Stunden und zum Schluss fing auch mein Hintern an ganz schön zu schmerzen. Naja, wir waren am Ende des Tages eigentlich alle total platt. Ein riesiger Spaß war es trotz allem.
Für den Mittwoch hatten wir einen Trip nach „El Bolson“ (findet sich auch über Google) geplant. Der Ort wurde uns von unserer Spanischlehrerin empfohlen und ist bekannt für seine verrückte Hippiepopulation und seinen Markt. Gerhard, der Kanadier, wollte ebenfalls nach El Bolson und schloss sich uns an. Das war auf jeden Fall eine erfrischende Abwechslung. Da wir unsere Busfahrt für den späten Nachmittag gebucht hatten, fuhren wir am Vormittag erst einmal zur Skistation „Cerro Catedral“, um dort mit dem Lift auf den Berg hoch zu fahren und uns den Ausblick zu gönnen. In der Jugendherberge hatten wir erfahren, dass das Magazin „National Geografic“ den Ausblick von dort oben einmal zum 7. Besten der Welt gekürt hatte. Ob es wirklich der 7. Beste der Welt ist lass ich einmal offen, aber es war wirklich nichts anderes als beeindruckend und ein absolutes Highlight der Reise. Leider hatten wir nicht zu viel Zeit dort oben, da ja am Nachmittag schon unser Bus nach „El Bolson“ abfuhr. Allein die Busfahrt war ein absoluter Traum. Diese Berglandschaft hat einfach einen unglaublichen Charme. Als wir aus „Bariloche“ rausfuhren kamen wir auch durch das ziemlich große Armenviertel. Das war auf eine schockierende Weise beeindruckend. Wenn man als Tourist in die Stadt kommt, sieht man davon nämlich kein Stück. Das gesamte Stadtzentrum ist blitzesauber und könnte von der Infrastruktur her locker genau so irgendwo in Europa existieren. Das Armenviertel liegt einfach viel höher und ist von unten aus nicht einmal zu erahnen. Die Menschen dort wohnen in verwahrlosten Hütten, haben keinen Gasanschluss und heizen mit Holz. Vor allem im sehr langen Winter trifft es die Menschen dort ganz schlimm. Obwohl Argentinien im Vergleich zu anderen Südamerikanischen Ländern und teilweise auch zu Europa sehr modern und innovativ daherkommt, wird man immer wieder daran erinnert wie groß die Ungleichheit in diesem Land wirklich ist, und wie verwahrlost große Bevölkerungsanteile leben. Was ich auch noch beobachtet habe ist, dass viele Menschen während der Busfahrt an den unmöglichsten Orten ein und ausgestiegen sind. Zumindest konnte ich kein Haus in unmittelbarer Nähe zur Straße erkennen.
„El Bolson“ ist wirklich ein winziger und verschlafener Ort mit einem unglaublichen Charme. Zu unserer Jugendherberge mussten wir erstmal eine Reihe ungepflasterter Straßen durchstreifen. Ein bisschen Abenteuer mit all unserem Gepäck! Die Jugendherberge war so gemütlich, dass wir uns vor dem Abendessen dort erstmal ein paar Stunden entspannten. Gegessen haben wir dann in einer „Parilla“, einem typischen argentinischen Fleischrestaurant. Für Fleischesser ist Argentinien wirklich ein Paradies. Ich war auch ganz begeistert, da es sogar ein wirklich leckeres Sojaschnitzel zu essen gab. Das war allerdings ne ganze Ecke teurer als das echte Fleisch. Irgendwie tut mir das schon sehr weh, wie billig Fleisch hier ist und in was für Mengen es hier konsumiert wird. Die Regierung hier subventioniert ja die Fleischproduktion. Sie gibt auch nur einen geringen Teil zum Export frei um den Inlandspreis zu drosseln. So kommt es doch öfter mal vor, dass ein Kilo Tomaten mehr kostet als ein Kilo Fleisch XY. Egal ob Fleischesser oder nicht, ethisch und ökologisch ist das eigentlich unakzeptabel. Mal schauen ob ich noch dagegen in den Krieg ziehe… ;-)
Nach dem leckeren Abendessen ging es noch in eine Bar mit dem Namen Absinth. Eigentlich hatten wir uns alle auf einen kleinen Absinth als Absacker gefreut. Als wir dann erfuhren, dass ein Shot lächerliche 90 Pesos kosten soll entschieden wir uns dann doch für die Cocktails zwischen 8 und 13 Pesos (ca. 2,5 bis 4 Euro). Echt lustig war Miles, der eigentlich kaum Alkohol trinkt. Er kam bei der Atmosphäre ein bisschen in Probierlaune und war am Ende des Abends völlig konsterniert darüber, dass er tatsächlich 7 US-$ für Alkohol ausgegeben hatte…
Den nächsten Tag verbrachten wir mit Marktbummeln und Eisessen. Tabea und ich haben uns beide einen super coolen Matebecher gekauft, den ich bisher auch exzessiv benutzt habe. Mit Zucker wirklich ein geiles Getränk!
Der Rest der Reise ist schnell erzählt. Rückfahrt nach „Bariloche“, gleiche Strecke, wieder wunderschön. Abends nochmal zusammen mit Gerhard beim Mexikaner gewesen und die riesige Portion natürlich nicht geschafft. Am nächsten morgen ging es dann recht früh zum Busterminal und um ziemlich genau Punkt 10:00 fuhr unser Bus zurück nach Bs As… Natürlich dauerte die Rückfahrt wesentlich länger als die Hinfahrt.
Insgesamt war die Reise absolut großartig und ein toller Ausgleich zu Buenos Aires, wo es so etwas wie Ruhe und Natur einfach nicht gibt. Zum Leben ist Buenos Aires natürlich ein Traum, aber zwischendurch ein bisschen Natur und Ruhe ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung. Das ganze war sicherlich nicht der letzte Urlaub dieser Art.
Sooo, ziemlich lang geworden der Bericht… Auf jeden Fall recht schönen dank fürs Lesen und die Aufmerksamkeit. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute die Länge meiner Berichte etwas abschreckt, aber da ich ansonsten kein Tagebuch führe, ist auch für mich die Dokumentation meiner Erlebnisse. Da schreibe ich dann lieber etwas zu viel als zu wenig… Ich stelle übrigens Fotos von der Reise auf Studivz…
Also, machts jut und lasst weiterhin so fleißig von euch hören!
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