Samstag, 8. März 2008

Crazy times!

Das leben hier ist wirklich voller Überraschungen… Nicht nur war heute Morgen, als ich um 7:30 von meinem Kurztrip nach Bariloche zurückkam, mein Zimmer neu gestrichen und der Wasserschaden beseitigt. Nein, es lagen auch zwei wildfremde Personen in meinem Bett. Die habe ich dann erstmal aufgescheucht und rausgeschmissen. Das waren Freunde eines anderen Mitbewohners, die gedacht hatten das Zimmer sei unbewohnt (meine Sachen waren die Woche über in einem anderen Raum, damit gemalt werden konnte). Dazu kam noch, dass der Schlüssel für das Zimmer zwar in der Tür steckte, aber kaputt war… Tolle Wurst! Jetzt sitze ich in meinem Raum, den ich nicht verschließen kann, trinke genüsslich meinen Mate und warte bis der Vermieter kommt. Kann sich nur um Stunden handeln.

An alle die meinen Blog einigermaßen regelmäßig verfolgen, erstmal sorry, dass ich so lange nichts hab von mir hören lassen. Die letzten zwei Wochen war ich eher selten im Internet und ziemlich viel auf Achse. Zum einem war da die Orientierungswoche an der Uni und, dann mein Trip nach Bariloche.

Um alles in der richtigen Reihenfolge zu halten fange ich erstmal an ein bisschen von der Orientierungswoche zu erzählen. Am Montagmorgen gegen 10:00 Versammelten sich alle internationalen Studenten im Flur des Hauptgebäudes der Uni. Dort war natürlich erstmal ein großen sich umschauen und beschnuppern angesagt. Nach den Begrüßungsreden einiger Universitätsautoritäten gab es dann gemeinsames Frühstück. Dabei kam man sich den anderen Studenten schon um einiges näher. Um es vorweg zu nehmen. Viele der anderen Austauschschüler sind super nett und weltoffen. Es gibt zwar nach wie vor komische Grüppchen, aber ich habe viele super nette Leute kennenlernen dürfen und bin darüber sehr froh. Da mein Handy leider immer noch nicht funktioniert, ist es allerdings ein wenig schwer mit denen in Kontakt zu stehen. Die Leute kommen eigentlich aus der ganzen Welt, bis auf Afrika… Am meisten sind es natürlich Amis, gefolgt von Franzosen. Deutsche sind auch ganz gut vertreten, wobei sich das einigermaßen in Grenzen hält und diejenigen mit denen ich bisher Kontakt hatte echt nett waren. Nach dem Frühstück gab es dann eine gemeinsame Campustour. Die drei Gebäude sind durch einen unterirdischen Tunnel miteinander verbunden. Sehr clever gemacht. Die Gebäude selbst bestehen aus rotem Backstein. Der Campus liegt vollkommen im Zentrum der Stadt, direkt am Rio de la Plata. Nach der Campustour gab es eine große Veranstaltung zum Kulturschock in Argentinien und verschiedene Strategien um damit umzugehen. Zum Beispiel sich zurückziehen oder partizipieren. Tabea und ich waren uns sofort einige, dass wir die erste nehmen. Da ich wegen des Spanischkurses den Einstufungstest schon gemacht hatte, fuhren Tabea, Miles und ich am Nachmittag zum Omnibusterminal um dort die Tickets für den Trip nach Bariloche zu besorgen. Corinna aus Österreich klinkte sich spontan ein, als sie hörte, dass wir nach Bariloche fahren und so waren wir schon zu 4rt.

Am Dienstag gab es eine Präsi zum Leben in Buenos Aires. Da man ja schon ein paar Wochen da war hatte man vieles schon gehört. Trotzdem war es ganz nett gemacht. Am Nachmittag ging es auf den 2ten Campus der UCA zum Asado (BBQ). Dort gab es natürlich vor allem FLEISCH. Groß, fettig und in allen Variationen. Naja, ich gönnte mir ein wenig Brot mit Gemüsedip. Das Wetter war klasse, die Atmosphäre entspannt und ich lernte noch eine ganze Ecke neuer Leute kennen. Am Abend wurde ich von meinem (deutschen) Mitbewohner Luka eingeladen nach Quilmes, dort lebt seine Freundin, zu fahren um dort essen zu gehen. Philip ein anderer deutscher Mitbewohner war auch mit von der Partie. In Quilmes, das ca. 40 Minuten von Bs As entfernt liegt, wird nicht nur das wahrscheinlich bekannteste Bier Argentiniens gebraut, sondern es gibt auch ein paar sehr schöne Restaurants. Auf dem Weg bekam ich mal wieder zu spüren, wie riesig diese Stadt eigentlich ist. Auch kamen wirf an vielen Vierteln vor bei, in denen die Armut deutlich präsenter ist als in meinem bürgerlichen Stadtteil. Ganz kurz: Der Abend war super nett und das Essen klasse. Auch als Vegetarier lässt es sich in Argentinien super speisen. Die Restaurants, haben meistens ein reiches Angebot an vegetarischen Mahlzeiten. Vor allem Pasta steht ganz hoch im Kurs. Und im Supermarkt um die Ecke gibt es schönes Sojaschnitzel ;-)

Mittwoch stellten sich an der Uni die einzelnen Fakultäten vor, sowie ihre Kursangebote. Neben den Fakultäten, gibt es ein Programm namens Lateinamerikastudien, das in erster Linie für Austauschstudenten designt wurde und viele spannende Politikvorlesungen beinhaltet. Tabea und ich waren total verwirrt, da es viel zu viele interessante Vorlesungen gab, die wir besuchen könnten.

Am nächsten Tag mussten wir erst einmal vorläufig unsere Kurse wählen. Tabea und ich haben beschlossen, uns viele Veranstaltungen anzugucken und dann zu entscheiden welche wir belegen. Wir tendieren dazu eine an der Fakultät der Politikwissenschaften zu machen und ein oder zwei weitere aus dem Lateinamerikaprogramm. Trotzdem war das Einschreiben ein riesiges Chaos. Viele zeitliche Überschneidungen der Lehrveranstaltungen, viele Unklarheiten und vor allem lange Schlangen. Naja, irgendwann war auch das geschafft!

Freitag folgte dann das absolute Highlight der Woche ein gemeinsamer Ausflug auf „Estancia“, eine typisch Argentinische Pferde und Rinderfarm, inklusive Reiten und allem. Natürlich war das Ding extrem touristisch aufgezogen und speziell auf große Gruppen ausgerichtet. Nichtsdestotrotz war es ein super Tag. Nachdem wir ankamen gab es erstmal Begrüßungsgetränke und einen Happen zu essen. Danach ging es aufs Pferd. Das mag einige vielleicht wundern. Schließlich habe ich ja jahrelang dieses Hobby von meiner Schwester nur belächelt. Das Reiten war für mich natürlich keine Herausforderung höhöhö… Nein im Ernst, die Pferde waren so auf Touristen abgerichten und gingen ganz brav hintereinander her. Ich musste quasi nichts machen, außer dem Tier klugscheißerisch Kommentare auf Englisch, Deutsch und Spanisch ins Ohr zu pusten, auf die es eh nicht regierte. Spaß gemacht hat es trotzdem (War auch nur eine kleine Runde von ca. 15-20 Minuten). Danach gab es fett essen. Salat, Kartoffeln, Brot und natürlich FLEISCH. Ich vergnügte mich ganz gut mit der Weinflasche. Parallel zum spielte ein Argentinischer Barde Lieder des ganzen Landes und zwei weitere tanzten dazu die passenden Tänze. Natürlich Kitsch pur, aber eine nette Unterhaltung. Danach gab es Kaffe, Mate oder noch mehr Wein und noch ein weiteren Ausflug aufs Pferd. Zwar wurde exakt die gleiche Strecke abgelaufen, mein Pferd jedoch war um einiges aktiver und schaukelte mich ganz schön durch die Gegend. Irgendwie wollte es unbedingt als erstes ankommen, was ihm auch problemlos gelangt! Den Abschluss des Tages markierte eine Pferdeshow der Farmbetreiber. War schon ganz nett, aber auch nichts Weltbewegendes. Der Tag war einfach schön, wegen der Atmosphäre, des Beisammenseins und abermaligen Kennenlernen neuer Leute. Auf der Rückfahrt verabredete man sich gleich für einen gemeinsamen Diskobesuch.

Zu Hause hieß es allerdings erstmal ein wenig ausruhen, duschen, runterkommen etc.

Dann ging es auch zackizack schon wieder zu Tabeas Wohnung zum Vorglühen. Dort kann man hinkommen wann man will, da wird einfach rund um die Uhr Bier getrunken und chillige Musik gehört. Ich weiß gar nicht, wie ich da leben könnte ohne völlig zu verfetten und verdummen. Wenn das Bier alle ist, ruft man einfach kurz beim Biermann an und bestellt welches nach. Für mich ist es wenn ich da bin irgendwie immer wie im Urlaub im Urlaub. Klingt komisch, ist aber so! Dort trudelten nach und nach auch Jen und Leoni ein. Die beiden studieren ebenfalls an der UCA, Jen kommt aus dem Koalaland und Leoni auch aus Deutschland. Mit ihnen trank man noch mehr Bier, schaute Musikvideos und machte sich langsam startklar. Den Treffpunkt hatten wir natürlich längst überschritten. Als wir ankamen war der Club, der sich direkt über dem Hard Rock Cafe befindet allerdings immer noch nicht auf (es war ca. 0:45) und wir entschieden uns im Hard Rock Cafe noch was zu trinken. Dort trafen wir auch die anderen UCA-Studenten. Da Juan, Mitbewohner von Tabea einen der Türsteher kannte kamen wir sogar umsonst rein. Das hieß dann natürlich noch mehr Bier. Um es kurz zu machen, der Club war riesig, total prall gefüllt, die Menschen oberflächlich und simpel und die Musik zum. Reaggeaton und Rumbia sind ja von Natur aus noch ganz ok, und gerne auchmal für 2-3 Lieder auf der Tanzfläche erwünscht, aber eine ganze Nacht lang… Ich war gerade so besoffen, dass ich es irgendwie aushalten konnte. Den anderen gings es aber genau so und irgendwann zwischen 5 und 6 ergriffen wir die Flucht. Dummerweise hatten ziemlich viele die gleiche Idee und draußen regnete es mittlerweise in Strömen. Das machte es fast unmöglich noch ein Taxi zu besorgen. Naja, irgendwann hatten auch wir dann mal Glück. Durchgeschwitzt, nassgeregnet und etwas dicht viel ich im Endeffekt in mein Bett. Dort viel mir ein, dass noch Kleider von mir draußen auf der Leine hingen…. Naja, wie auch immer dachte ich, dafür ist ja morgen immer noch Zeit… Jaja so wird man nun einmal in Argentina.

Das wars fürs erste! Urlaubsbericht folgt in kürze!

Euer Nico!

PS. Anbei noch ein paar Bilder von der Farm!


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